Illustration für Wild Rover
Traditional Folk

Wild Rover

Wilder Vagabund

Der irische Klassiker schlechthin — ein Lied über Reue, Rückkehr und zu viel Whiskey

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Traditional · Arranged & performed by Mat Williams · © ClassicRocks

Text & Übersetzung

EnglishDeutsch
I’ve been a wild rover for many a yearIch war lange Jahre ein wilder Vagabund
I’ve spent all my money on whiskey and beer.Und ich gab all mein Geld für Whiskey und Bier aus.
And now I’m returning with gold in great storeAber jetzt kehre ich zurück mit viel Gold,
I never will play the wild rover no more.Und ich werde nie wieder den wilden Vagabunden spielen.
ChorusRefrain
And it’s no, nay, neverUnd das heißt nein, nie, niemals,
No nay never, no more,nein, nicht niemals, nie mehr
Will I play the wild rover,werde ich den wilden Vagabunden spielen,
No never, no more.nein niemals, nie wieder.
I went to an ale-house I used to frequentUnd ich kam zu einem Wirtshaus, das ich häufig frequentierte
And I told the landlady me money was spent.Und ich erzählte der Wirtin, dass mein Geld ausgegeben sei.
I asked her for credit, she answered me “nay,Ich bat sie um Kredit, sie antwortete “nein,
Such custom as yours I could have any day.”Solche Kundschaft wie dich kann ich jeden Tag haben.”
ChorusRefrain
Took up from my pocket ten sovereigns bright,Ich nahm aus meiner Tasche zehn glänzende Souvereigns,
The landlady’s eyes opened wide with delight.Die Augen der Wirtin öffneten sich vor Freude.
She says “I have whiskeys and wines of the bestSie sagt “Ich habe Whiskeys und von den besten Weinen
And the words that I told you were only in jest.”Und was ich gesagt habe, war nur zum Scherz.”
ChorusRefrain
I’ll go home to my parents,Ich werde zurückkehren zu meinen Eltern
Cconfessed what I’ve doneUnd ihnen gestehen was ich tat,
And I’ll ask them to pardon their prodigal son.Und ich bitten, ihrem verschwenderischen Sohn zu verzeihen.
And when they’ve caressed me as oft times before,Und wenn sie mich gestreichelt haben, wie schon so oft zuvor
I never will play the wild rover no more.Werde ich nie wieder den wilden Vagabunden spielen.
3 x Chorus3 x Refrain
No nay never, no morenein, nicht niemals, nie mehr,
No more.Nie mehr

Traditioneller Text · Public Domain · Arrangement © Mat Williams / ClassicRocks.

Geschichte & Hintergrund

Commentary Kommentar

Well, this song certainly lives up to its name - at least, the “rover” bit. The first printed version appears in broadsheets in the middle of the 1800s. It then spread by print or orally until it was found in Scotland, Ireland, America, even as far as Australia and all alehouses between.

Nun gut, hier ist der Name sicherlich Programm, zumindest was den "Vagabunden" betrifft. Die erste gedruckte Version des Textes tauchte Mitte des 18. Jahrhunderts auf. Es verbreitete sich dann weiter sowohl über den Druck als auch mündlich, bis es schließlich gesungen wurde in Schottland, Irland, Amerika, selbst in Australien und in allen Wirtshäusern dazwischen.

A rover indeed. Ironically, although it is now known very much as a drinking song, it originated in the Temperance Movement as an awful warning against the demon drink and how all good boys should repent and go home to their parents.

Also in der Tat, ein Vagabund. Ironischerweise entstammt der Folk Song ursprünglich der "Temperance Movement", also einer sozialen Bewegung, die übermäßigen Alkoholkonsum bekämpfte, als Warnung, was guten Jungs passieren kann, wenn sie dem Dämon Alkohol verfallen und als Aufforderung, zu den Eltern zurückzukehren.

Actually, it is all too easy to sneer at Temperance workers as over-earnest kill-joys. The movement was sorely needed at the time when industrialised England resulted in appalling slums where men spent their wages on gin to make their lives bearable. This resulted in their families’ lives being worse than ever. A mother was considered lucky if she managed to keep a child alive until it was five. It was the Temperance Movement which started the tradition of inner city allotment gardens: maybe if the poor workers could grow some of their own food it would keep them out of the public houses.

Man tut den Temperance Aktivisten der damailgen Zeit allerdings Unrecht, wenn man über sie die Nase rümpft und sie als Spielverderber hinstellt. Die Bewegung war damals dringend nötig, als Teile des industrialisierten Englands zu entsetzlichen Slums mutierten, in denen Arbeiter ihren Lohn für Gin ausgaben, um ihr Leben halbwegs erträglich zu machen. Dies resultierte in einem Familienleben, das schlimmer wurde als je zuvor, ein Teufelskreis. Eine Mutter galt damals als glücklich, wenn sie es schaffte, ihr Kind am Leben zu halten, bis es fünf Jahre alt war. Es war die Temperance Bewegung, welche die Tradition innerstädtischer Gärten schuf: Vielleicht würde es die Arbeiter aus den Pubs fernhalten, wenn sie stattdessen ihr eigenes Essen anbauen konnten.

These origins may explain the slightly bland feeling of the words. It’s as if they have been firmly edited. Nothing that the black sheep does is very dreadful, or if it is, no details are given. Where he got the money to spend on whiskey and beer is never explained nor are we told how he got the “gold in great store” with which he came home. Honest labour might earn pennies but not gold. Highway robbery? Piracy? Smuggling? The Slave-Trade? Nothing is explained. It may be detailed with great gory relish in some of the wilder versions that are bound to exist, but not in the usual pub words that we have here which are oddly polite.

Diese Urspünge erklären, warum der Text aus heutiger Sicht recht langweilig erscheint. Es kommt einem vor, als wäre der Text nachträglich gesäubert worden. Nichts, was das schwarze Schaf der Familie tat, erscheint sonderlich schlimm. Zumindest liefert der Song keine Details. Wir erfahren weder, woher der Vagabund das Geld hatte für Whiskey und Bier, noch, wie er an das Lager von Gold gekommen ist, mit dem er nun zurückkehrt. Mit ehrlicher Arbeit konnte man lediglich Pennys verdienen, kein Gold. Also Raub? Piraterei? Schmuggel? Sklavenhandel? Nichts wird erklärt. Man mag hier und dort detaillierte Strophen finden voll blutrünstiger Ausschmückungen aber in der ursprünglichen Version, mit der wir es hier zu tun haben, bleibt es bei seltsam höflichen Andeutungen.

As a pub song it does get in a dig at pub landladies but a fairly gentle one. Nor are we told what caused the conversion. Maybe in the original Temperance song a heavenly vision came into it somewhere which has been lost on the song’s journey to the alehouse.

Typisch für einen Pubsong - es gibt auch hier eine Stichelei mit der Wirtin, allerdings eine sehr harmlose. Wir erfahren nicht, was die Unterhaltung mit der Wirtin auslöste. Vielleicht gab es in der ursprünglichen Temperance Version noch eine himmlische Erscheinnung, die auf der Reise in die Wirtshäuser der Welt irgendwo verlorengegangen ist.

The tune is in a rousing triple-time with a convenient gap for audience participation at the end of the first line of the chorus. This consists of four handclaps or table thumps, mercifully absent in this recording. A sing-a-long is fine but I reckon you have to be there. Recordings are different.

Der Folksong kommt in einem munteren 3/4 Takt daher mit einer Lücke, die im Pub Raum lässt für Publikum-Beteiligung in Form viermaligen Klatschens oder auf-den-Tisch-Schlagens (Anmerkung der Red.: Die meisten von uns werden die äußerst "platt"-deutsche Version aus den 80er Jahren kennen, in der eine deutsche Stimmungskapelle namens "Klaus & Klaus" genüsslich auf eben dieser Mitmachstelle herumreitet. Der "Wild Rover" wird zur Nordseeküste. Wir enthalten uns eines weiteren Kommentars). In dieser Aufnahme wird gnädigerweise auf dergleichen Geräusche verzichtet.

So - our hero has returned to his loving parents with his pockets well lined and the heartfelt promise “I never will be the wild rover no more”.

Wie dem auch sei - am Ende kehrt unser verlorener Sohn also geläutert zurück in die Arme seiner liebenden Eltern. Im Gegensatz zur biblischen Version allerdings mit den Taschen voller Gold. Er verspricht treuherzig, nie mehr den wilden Vagabunden zu spielen.

I wonder how long he will be able to keep it up.

Wir fragen uns einigermaßen besorgt, wie lange er dieses Versprechen wohl halten wird.

Commentary written by Gillian Goodman · © ClassicRocks / Mat Williams